Das war der „Zug der Liebe“

Der Zug der Liebe rollte am gestrigen Tage über Teile Berlins hinweg. Gestartet ist die Parade mit rund 1100 Teilnehmern und die Zahl der Technofans nahm im weiteren Verlauf immer mehr zu. Rund 10.000 feierten ab 12:30 Uhr und auch wir waren dabei. Wir stießen erst um 15 Uhr an der Jannowitzbrücke dazu, als der erste Wagen die Kreuzung überquerte. Wir ließen alle Wagen einmal an uns vorbeifahren, um einen Überblick der Vielfalt erhaschen zu können und jedem Wagen eine Chance zu geben.

Jeder Wagen hatte sein eigenes Motto und erinnert sehr stark an den Christopher Street Day, der ein Wochenende zuvor durch die Berliner Straßen zog. Laut Veranstalter soll der „Zug der Liebe“ kein Nachfolger der beliebten Loveparade sein, auch wenn viele Technofans es gerne so bezeichnen. Es soll viel mehr eine politische Parade darstellen, um für mehr Toleranz und gegen Rassismus zu demonstrieren. Hierzu gab es viele Plakate vor und hinter den Trucks und auch die Wagen selber waren aufwendig dekoriert und mit Sprüchen versehen. Insgesamt eine fantastische und kunterbunte Parade, wo Jung und Alt, sowie die unterschiedlichsten Nationalitäten friedlich zusammen feiern.

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Zeitgleich lief auch die Anti-Nazi-Demo, sowie die Nazi-Demo in Berlin und viele Demonstranten der linken Demo gesellten sich später zum Zug der Liebe um gemeinsam ausgelassen zu feiern. Ich konnte zu keiner Zeit eine gereizte Stimmung wahrnehmen, auch wenn die Polizeipräsenz deutlich höher war, als gedacht. An jeder Ecke standen sie, unsere Freunde in der Not. Bei knapp 28 Grad in voller Montur. In deren Haut möchte ich an solchen Tagen nicht stecken, für kein Geld der Welt.

Die Parade fing in der Karl-Marx-Allee an und endete am Treptower Park. Wir haben die Strecke zwar abgekürzt und sind nicht am Startpunkt los, jedoch war der Weg gefühlt ellenlang. Die Sonne knallte, das Bier schmeckte daher umso besser und der Weg wollte einfach nicht enden. Die Füße qualmten schon und die Ohren kannten nur noch eins „Boom Boom Boom“. Apropos Bier: An der Jannowitzbrücke witterten die Berliner Punks das große Geld und karrten Kistenweise Bier herbei, welches sie für 1 EUR pro Flasche an durstige Demonstranten verkauften. Absolut fairer Preis, da kann man nicht meckern. Beim weiteren Verlauf wurde auch immer wieder kaltes Bier am Straßenrand verkauft. Auf den letzten Kilometern begleitete auch ein Kühltransporter die Parade, wo es kühles Bier gab. Die Preise stiegen jedoch saftig an und am Ende zahlte man für eine 0,5L Flasche Becks schon stolze 3 EUR. Leider haben wir die Punks nicht mehr ausfindig machen können und mussten somit tief in die Tasche greifen.

An der Spree angekommen, machten wir einen kurzen Schlenker um einen Blick über das Wasser schweifen zu lassen. Kurz einmal raus aus der Masse, raus aus der Hitze und den Gehörgängen eine Pause gönnen. Wir gönnten uns dann noch zwei Bier, als die Parade am Endpunkt angelangt ist und setzten uns auf die andere Uferseite der Spree um den Abend ausklingen zu lassen. Die Füße dankten es uns, das könnt ihr uns glauben 🙂

Insgesamt eine gelungene Parade, die auch nächstes Jahr wieder besucht wird. Angst vor irgendwelchen Anschlägen hatten wir nicht, auch wenn einen ein mulmiges Gefühl immer begleiten wird in der heutigen Zeit. Geht man jedoch davon aus, dass immer und überall etwas passiert, so könnte man das Haus gar nicht mehr verlassen. Von daher: Leben genießen und Events erleben. Berlin ist voll mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen.

8 thoughts on “Das war der „Zug der Liebe“

  1. Tatsächlich habe ich von der Parade gar nichts mitbekommen, aber sie hört sich total toll und aufregend an. Eine super Aktion und die Stimmung schien ja sehr ausgelassen zu sein. Die Fotos finde ich toll, besonders das mit den Wolken gefällt mir!

    Liebe Grüße,
    moteens

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  2. Klingt echt sehenswert, vlt. bin ich ja nächstes Jahr auch dabei 😉
    Das Leben sollte man auf jeden Fall weiter genießen. Einfach irgendwo rumsitzen, weil man Angst hat, bringt einen ja auch nicht weiter. Außerdem kann ja wirklich überall und immer etwas passieren^^

    Liebe Grüße!

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  3. …coool… habe eine der ersten LoveParade indirekt miterlebt, da ging sie noch über den Kudamm… durch die hohen Villen coole Akustik und sehr laut, so dass unsre Teller beim Chinesen fast mitwippten ;). Später bin ich nach Berlin gezogen, da war die LoveParade eher nervig, weil man nicht wirklich durch die Stadt kam. Christoper Street Day und Carneval der Kulturen sind eher meins. Freut mich trotzdem, dass es euch in meiner „alten Heimat“ so viel Spaß gemacht hat 😉

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    1. Zur Zeiten der Loveparade wollten wir den Schulabschluss dort feiern. Tja, in dem besagteb Jahr wurde die Loveparade abgesagt und abgeschafft :-/ Karneval der Kulturen ist hier bei mir immer ums Eck und wirklich angenehm. Das muss ich auch sagen.

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