Blogparade: Zugezogen – Der unerwünschte Piefke

Der unerwünschte Piefke – Was ist damit bloß gemeint? Beim stöbern bin ich mal wieder auf eine interessante Blogparade gestoßen. Hierbei soll es um den Fluch oder Segen Zugezogener gehen. Und auch ich kann einen Teil dazu beitragen, denn auch ich habe Höhen und Tiefen im Nachbarland erlebt und möchte hierzu ein paar Zeilen verlieren. Immerhin lebte ich 4 Jahre meines Lebens unter zahlreichen katholischen Miesepetern. Vorab sei gesagt, dass ich in diesem Beitrag nicht alle über einen Kamm scheren möchte und sich somit niemand persönlich angegriffen fühlen soll.

Wien - Donau
Wien im Sommer – Donau @ Secret Writerin

Im Jahre 2008 entschloss ich mich relativ kurzfristig nach Österreich zu ziehen. Wien war mein Ziel, was ich innerhalb eines Monats auch verwirklichte. Damals wegen einer Partnerschaft dort hingezogen, verbrachte ich insgesamt vier Jahre dort. Ihr könnt mir glauben wenn ich sage, dass diese 4 Jahre intensiv und absolut nicht einfach waren. Konnte ich beruflich schnell Fuß fassen, drehte es sich all die Jahre dennoch immer wieder nur um das eine Thema. „Was macht ein Piefke in Wien“, „Die Piefkes vermehren sich hier wie die Karnickel“, „Die sch*** Piefke nehmen uns die Arbeitsstellen weg„, „Die Piefkes haben keine Ahnung von gutem Essen“. Das sind tatsächlich nur einige Wenige Sätze, die man Tag für Tag an den Kopf geknallt bekommen hat.

Ich war weiß Gott niemand, die es jedem auf die Nase gebunden hat, dass ich aus Deutschland komme. Da ich jedoch gebürtig aus der nähe von Hamburg komme und somit kein „Gebelle“ von mir gebe, kommt über kurz oder lang schnell das Thema auf, von wo ich eigentlich sei und was ich hier überhaupt will. Es gab natürlich einige Menschen, die mich bei meinem Vorhaben unterstützt haben, doch die negativen Stimmen brannten sich in meine Gedanken und überwiegten all die Jahre.

Innsbruck im Winter
Innsbruck im Winter @ Secret Writerin

Wie oft habe ich diesen Satz vorgeknallt bekommen, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Aber nicht nur das, ich habe auch aufgehört zu fragen, denn was ich von Beginn an wusste: Nichts hassen die Wiener mehr, als wenn ein „Piefke“ versucht den Wiener Dialekt zu kopieren. Und daran hielt ich mich. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich gefragt wurde, warum ich mich als vers*** Nazi in dieses Land traue und wann die nächste Abfahrt der Reichsbahn wäre. Ganz ehrlich? In diesem Momenten dachte ich einfach stillschweigend daran, wo der liebe Herr Adolf H. geboren wurde, denn die Frage öffentlich zu stellen war verpönt und es schoss immer wieder die selbe Antwort aus den Mündern: „Na und? Deutschland war doch so blöd und haben ihn mit offenen Armen empfangen“. Es sei noch einmal betont, dass ich von 2008 – 2012 in Wien ansässig war. Aber hey, ich bin eigentlich ein Vampir und lebte zur damaligen Zeit schon! So, nun ist es raus!

Ich habe auch viele Bekanntschaften gemacht, die bis heute halten. Zwar ist der Kontakt nur noch sporadisch, dennoch war es damals etwas, was die Zeit in Wien ein wenig vereinfacht und vor allem angenehm gemacht hat. In der Zeit habe ich viel von Österreich gesehen, bin von dort aus für ein Wochenende nach Venedig gefahren, habe die unterschiedlichsten Feste und Weihnachtsmärkte besucht. Auch wenn nicht immer alles rosig war, habe ich viele schöne Dinge erlebt, die ich nicht bereue. Warum auch. Ich höre immer wieder, dass Bekannte neidisch sind, dass ich diesen Schritt gewagt habe und viel erleben konnte. Klar, man wächst dran. Vor allem an negativen Einflüssen.

Wie bereits zu Beginn gesagt: Es waren Höhen, aber auch viele Tiefen in den 4 Jahren, die mich prägten. Vor allem jedoch die sehr konservative Einstellung trieb mich schlussendlich zurück nach Deutschland. Genauer gesagt: Nach Berlin. Also bin ich vom Land – nach Wien und direkt in die Metropole. Ob das so eine gute Entscheidung war? JA, denn ich bereue nichts. Auch hier ist nicht alles perfekt, aber wo ist das schon? Ich arrangiere mich hier seit 2012 und so schnell wird mich die laute, bunte, durchgeknallte Stadt einfach nicht mehr los, auch wenn ich hin und wieder das Meer, die Stille und die absolute Gelassenheit vermisse. All das kann ich jedoch nachholen, wenn ich im Urlaub in die Heimat fahre.

Ein Gutes hatte Wien dennoch für mich parat, denn 2011 habe ich meine heutige Freundin kennengelernt, die nun ebenfalls in die Metropole gezogen ist. Ein weiteres Mal werde ich den Schritt nach Österreich jedoch nicht mehr wagen, außer für einen Kurzurlaub. Die Einstellung von Wien und mir sind einfach zu unterschiedlich, als dass es mich jemals dort glücklich machen könnte.

Graffiti - Friedrichshain Berlin
Graffiti – Friedrichshain Berlin @ Secret Writerin

Habt ihr auch schon einmal so einen Schritt gewagt? Falls ja, erzählt uns doch ein wenig davon und nehmt zeitgleich an der Blogparade von „Landleben“ teil.

4 thoughts on “Blogparade: Zugezogen – Der unerwünschte Piefke

  1. Vom Zugezogensein kann ich auch ein Lied singen – lebe ich doch seit bald 7 Jahren jenseits der EU unter den westlichen Nachbarn der so verschlossenen Österreicher. Und die Haltung der Schweizer ist ja als jener der Österreicher gar nicht so unähnlich bekannt (statt Piefke ist unsereins hier zum Beispiel „Tüütscher“ oder „Schwabe“ (unabhängig von der tatsächlichen Herkunftsregion).

    Ich persönlich habe allerdings einen grossen Vorteil gegenüber manch anderem/r Landsmann/-frau: Die Musik – denn ich spiele ein relativ rares Instrument, das mir in Orchestern Tür und Tor öffnet…und meine beiden Hiesigen würden mich inzwischen nur höchst ungern wieder hergeben.

    Auch darüber hinaus habe ich schon eine Menge netter und offener Schweizer kennenlernen dürfen, was dem Bild von der Abneigung gegenüber Zuwanderern, das die hiesige Politik vermittelt, letztlich widerspricht. Und wenn dem ein Schweizer widersprechen sollte, gedenke ich ihm/ihr zu sagen: „Stell dir vor, du bist krank und musst ins Spital – und alle Deutschen wären weg. Dann sähest du nämlich ziemlich alt aus in einem gähnend leeren Krankenhaus…“ (Der Anteil Deutscher Ärzte und Pfleger in den hiesigen Spitälern (Grossraum Zürich) ist wirklich auffällig.)

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    1. Ja, die Einstellung der Schweizer ist teils auch sehr gewöhnungsbedürftig und vor allem schroff. Gerade die versuchen ja mit allen Mitteln die Einwanderer zu minimieren, was grundsätzlich ja nicht verkehrt ist. Aber interessant, dass gerade in KH’s und Co die deutschen so angesiedelt sind. Das wusste ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Dabei loben die ihre einheimischen Fachkräfte etc so oft in den Himmel ^^

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  2. Ich finde es total schade, dass wir in Österreich so unbeliebt sind. Die Landschaft dort ist nämlich ein Traum.
    Ursprünglich hatten mein Freund und ich geplant in ein paar Jahren nach Österreich auszuwandern, aber mittlerweile sind wir uns in dem Plan sehr unsicher und werden es wohl wahrscheinlich nicht machen. Man möchte schließlich nicht immer angefeindet werden und dass das öfters passieren kann, hab ich jetzt schon von mehreren Seiten gehört.

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    1. Man sollte in erster Linie immer eigene Erfahrungen machen. Das ist ganz klar 🙂 Wien zum Beispiel ist sehr speziell, gerade was die Meinungen gegenüber Deutsche betrifft. Das kann in anderen Teilen Österreichs schon wieder ganz anders sein. Aber egal wohin man „auswandern“ will, man sollte sich dessen bewusst sein und gut überlegt haben 🙂

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